– 06. Mai 2024 –
Auf großes Interesse stieß am 15. April 2024 der Informationsabend des Österreichischen Grenzlandvereines, des Österreichischen Gewerbevereines und der Botschaft der Tschechischen Republik zu Österreichs Nachbarland Tschechien. Seitens des ÖGLV waren Vizepräsident KommR Karl Richter und die beiden Vorstandsmitglieder Jutta Kellner und Mag. Gerd Böhm in den Räumlichkeiten des Österreichischen Gewerbevereines vor Ort.
Nach der Begrüßung durch Gewerbeverein-Generalsekretär Mag. (FH) Stephan Blahut widmete sich Botschafter Dr. Jiří Šitler dem engen Verhältnis zwischen Österreich und der Tschechischen Republik. Auch wenn man sich nicht immer einig ist, wie beim Thema Kernenergie, sind die beiden befreundeten Länder gesellschaftlich und wirtschaftlich eng verflochten, zB. in der Industrie, im Tourismus, durch die enge Zusammenarbeit ihrer Regionen, die kulturelle Verbundenheit und durch die Zusammenarbeit bei Gesundheitszentren, wie in Gmünd. Österreich ist der siebtgrößte Handelspartner und fünftgrößte Exportmarkt Tschechiens. Auch die BürgerInnen der beiden Länder haben jeweils eine positive Einstellung zu den BürgerInnen des Nachbarlandes.
Robert Otepka, Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Tschechischen Republik in Österreich, informierte über die wirtschaftliche Entwicklung Tschechiens. Für 2024 gehen die Prognosen von einem Wirtschaftswachstum von 1,4% aus, die Inflation dürfte bei 2,6% liegen. Von enormer Bedeutung ist die Autoindustrie, die sich auch in der Corona-Krise sehr widerstandsfähig zeigte. Konsumnachfrage und Export sind eine Stütze der Wirtschaft. Prioritäten für die Zukunft sind eine Stabilisierung der öffentlichen Finanzen und eine aktive Partnerschaft in NATO und EU. Im Europavergleich sind Arbeitslosenrate, Arbeitskosten und Steuern sehr niedrig. Investitionen erfolgen auch durch Ausbau der Kernenergie, die Rüstungsausgaben und durch Ausbau des Straßennetzes. In Tschechien gibt es mehr als 1.800 österreichische Unternehmen. Sie bieten rund 100.000 Beschäftigten Arbeit.
Mag. Roman Rauch, österreichischer Wirtschaftsdelegierter, AWO, Prag, berichtete, dass Tschechien für Österreich aktuell der achtwichtigste Handelspartner ist. 2022 importiere Österreich extrem viel Energie aus Tschechien. Wegen seiner starken Industrie braucht Tschechien eine starke Energiewirtschaft. Österreich verkauft Sommer und Winter viele touristische Leistungen an Gäste aus seinem Nachbarland. In der tschechischen Wirtschaft gewinnt Forschung und Entwicklung immer mehr an Bedeutung, auch weil hier das Ingenieurwesen von hoher Qualität ist. Ausländische Firmen schätzen die Qualität der Zulieferfirmen, die Rechtssicherheit, die politische Stabilität und den hohen Grad der Digitalisierung, der auch beim E-Commerce sichtbar wird. Auffallend ist, dass es in der Tschechischen Republik keinen sozialen Wohnbau wie in anderen EU-Ländern gibt, vieles wird über den Markt geregelt, die Folge sind sehr hohe Wohnkosten. Der Businessclub Ukraine ist eine Firmenplattform für den Wiederaufbau in der Ukraine nach dem Krieg. Dieser Club umfasst rund 170 Firmen, in Österreich gibt es keine derartige Initiative.
Im Anschluss an die Referate nutzten viele TeilnehmerInnen die Möglichkeit, in der Podiumsdiskussion und im persönlichen Gespräch Fragen mit den ExpertInnen abzuklären.