Symposium: Investitionen in digitale Kompetenzen

Duale/triale Berufsausbildung als Schlüssel gegen den Fachkräftemangel

– 02. April 2019 –

Auf großes Interesse stieß die Diskussionsveranstaltung „Investitionen in digitale Kompetenzen“ am 2. April 2019 im Haus der EU in Wien. In dieser gemeinsamen Informationsveranstaltung des Österreichischen Grenzlandvereins (ÖGLV), der WKÖ und der Europäischen Kommission wurden die neuen Bildungsstrategien Österreichs und der EU im Kontext der europäischen Entwicklung vorgestellt und debattiert.

Nur mit bestens qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand gesichert werden. Der aktuelle Fachkräftemangel in Österreich und anderen europäischen Ländern ist Anlass, die Bildungsstrategien und Ausbildungsoffensiven neu zu denken.

Dazu gehört nicht nur die akademische Ausbildung, sondern auch die Lehre. Das duale Ausbildungssystem in Österreich ist Vorbild für einige europäische Nachbarländer. Auch dieses System muss weiterentwickelt werden, ergänzt um die digitale Dimension. Man kann daher auch von einer trialen Ausbildung sprechen.

Begrüßung:

DI Jozef Vasak, wirtschaftspolitischer Berater der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, wies in der Begrüßung auf die Tragweite und die Herausforderungen der Digitalisierung für alle Bereiche der Wirtschaft und der Bildung hin.

Wie Dr. René Alfons Haiden, Präsident des Österreichischen Grenzlandvereins, festhielt, macht sich der Fachkräftemangel bereits in vielen Branchen deutlich bemerkbar. Seine Forderung: Neue Schulsysteme sind anzudenken, und neue Lehrpläne sind dringend notwendig. Eine Umsetzung der Berufsausbildung auf regionaler Basis, auch grenzüberschreitend, vor allem mit den CEE-Ländern und dem Westbalkan ist anzustreben.

Keynote-Speaker:

Dr. Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, berichtete, dass die Wirtschaftskammer zu Beginn des Jahres mit der Bildungsoffensive einen umfassenden Reform- und Innovationsprozess gestartet hat. Lehrlinge und Betriebe werden digital fit gemacht. Insgesamt 1.000 Bildungspfade bis 2030 sollen für eine massive Aufwertung der beruflichen Bildung sorgen.

Dr. Matthias Tschirf, Sektionsleiter im Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, informierte, dass in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 42 Berufsbilder neu erlassen bzw. bestehende modernisiert wurden. Die zwei Lehrberufspakete 2019 des BMDW umfassen 20 Lehrberufe. Bei allen neuen Berufsbildern spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle.

Dr. Heidi-Renata Cigan, Sektorleiterin für Digitale Kompetenzen, Europäische Kommission, Brüssel, gab einen Überblick über die umfangreichen Förder- und Bildungsprogramme sowie die laufenden Maßnahmen der Europäischen Union zum Schwerpunkt Digitalisierung.

Podiumsdiskussion:

Mag. Mariana Kühnel, MA, stv. Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, erklärte, dass nahezu alle Bereiche des Berufslebens um eine digitale Komponente erweitert bzw. Berufe neu geschaffen werden. Die Bildungsoffensive der WKÖ ist der Startschuss für eine vollflächige Umsetzung dieses Prozesses in allen Bereichen der beruflichen Bildung: Die Lehre wird zur trialen Ausbildung, neue digitale Lernformen ermöglichen maßgeschneiderte Inhalte.

Mag. Bernhard Reisner, Vize-Präsident Human Capital, MIBA AG, Young Stars Project Slowakei, berichtete über seine erfolgreiche Initiative, das österreichische Modell der dualen Ausbildung für sein Unternehmen und im Sinne der Auszubildenden in der Slowakei umzusetzen. Ein wesentlicher Punkt sind unternehmensindividuelle Lösungen und betriebsinterne Weiterbildungsprogramme. Dadurch werden die Ausbildung von Fachkräften und ständige Innovation effektiv gefördert und realisiert.

Jacqueline Tanzer, Repräsentantin des Europe WorldSkills Champions Trust, sprach sich für lebenslanges Lernen aus. Digitale Fähigkeiten sind zu einer Schlüsselkompetenz geworden und müssen in unser Ausbildungssystem integriert werden. Eine der vielen Aufgaben für die Zukunft ist daher, sich auf noch nicht existierende Berufe vorzubereiten und Fachkräfte dafür auszubilden.

Um die Herausforderungen der digitalen Welt zu meistern, brauchen Fachkräfte wie Unternehmer/innen digitale Kompetenzen, legte Mag. Markus Raml, Kurator des Wirtschaftsförderungsinstituts der WKÖ (WIFI), dar. Die Fragen der Zukunft lassen sich nur durch Zusammenarbeit, Kreativität, kritisches Denken und Kommunikation beantworten. Diese Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert gilt es zu fördern.

Moderatorin Bettina Kerschbaumer-Schramek konnte in der anschließenden Publikumsdiskussion zahlreiche Fragen von BesucherInnen entgegennehmen, die von den jeweiligen ExpertInnen beantwortet wurden.